Naturheilkundliche und integrative Medizin

22.12.2021

In der naturheilkundlichen und integrativen Klinik des Klinikum Essen-Mitte werden konventionelle Schulmedizin und Naturheilkunde sinnvoll miteinander verbunden. Noch vor den drei Aufnahmegesprächen erfolgte die Blutabnahme für eine umfangreiche Labordiagnostik. Später erhielt ich dann noch ein Röhrchen für die Stuhlprobe. Meinen Ärzten zu Hause war meine Reizdarmproblematik bekannt, aber hier wurde zum ersten Mal genauer untersucht. Ist der Reizdarm reine Stresssymptomatik, wie ich selbst immer glaubte oder gibt es noch andere Gründe? Häufig zählt er einfach nur als Begleitsymptom beim Fibromyalgiesyndrom. Das ist eigentlich auch nicht abwegig, da chronische Schmerzen für den Körper ja auch Stress bedeuten. Auf das Ergebnis dieser Untersuchung musste ich allerdings über eine Woche warten.

Nach den Aufnahmegesprächen tauschen sich Ärzte, Pflegekräfte und Ordnungstherapeuten über die Patienten aus und entwickeln gemeinsam den Therapieplan, Medikamentenverordnung und gegebenenfalls eine Ernährungsberatung bzw. einen Fastenplan. Das die Verordnungen sehr individuell auf den Patienten abgestimmt werden, erkennt man schon daran das Patienten mit denselben Diagnosen nicht unbedingt auch dieselben Therapien bekommen.

In meinem Dreibettzimmer hatten wir alle die Diagnose Fibromyalgiesyndrom. Aber wie es nun mal ist, in unterschiedlichen Ausprägungen und mit anderen Begleiterkrankungen und sehr wahrscheinlich auch aufgrund anderer Ursachen. Und nach letzteren wird hier sehr genau geschaut. Störfelder, nennen die Ärzte die Bereiche, die durch Verletzungen, OPs oder Entzündungsherden Traumata oder Disharmonien im Körper auslösen. Um diese Störfelder bei mir zu behandeln, wurde ich aber erstmal auf Verträglichkeit des Medikaments für die Therapie getestet, Procain. Damit nicht zu viele Reize auf einmal ausgelöst werden, lässt man zwischen den unterschiedlichen Behandlungen genug Ruhephasen und Zeit für Bewegungs- und Ordnungstherapie.

Da ich freitags in der Klinik aufgenommen wurde, konnte ich in Ruhe ankommen und erstmal nur die pflegerischen Anwendungen genießen. Ich bekam also zuerst mal ein Aconit Schmerzöl zum Einreiben und bei Bedarf ein Wärmekissen oder Zappsack. Mit dem Schmerzöl massierten wir Frauen uns auf dem Zimmer gegenseitig den Rücken. Das war natürlich auch Balsam für unsere Seelen. Für meinen Bauch bekam ich feuchtwarme Kümmelöl-Auflagen. Zum entspannen am Abend gab es eine warme Bienenwachsauflage mit Rosenduft.

Morgens, außer an den Wochenenden, trafen wir uns schon vor dem Frühstück zur Morgenbewegung. Klopften unsere Meridiane frei, lockerten alle Gelenke und brachten unseren Kreislauf in Schwung. Nach ca. 30 Minuten schlossen wir die Übungen mit dem ersten Brokat aus dem Qi Gong ab.

Nach dem Frühstück kamen dann die kalten Brustwickel. Diese dienen dazu, die Immunabwehr zu stärken und mit dem Kältereiz den Körper zur eigenen Wärmeproduktion anzuregen. Das kostet erstmal Überwindung aber das Kreischen lässt mit der Zeit nach und nach wenigen Minuten war ich meist dann auch unter meiner Decke eingeschlafen.

Nach dem ersten Wochenende war ich bereits wesentlich entspannter und freute mich auf die "richtigen" Therapien. Ganzkörperakupunktur, Yoga, Bewegungsbad, und Ordnungstherapie mit Gesprächen, Übungen und Meditationen. Das alles war mir nicht ganz unbekannt aber so richtig neugierig war ich auf die Therapien, für die diese Klinik bekannt ist und mit denen sie den größten Erfolg haben. Bei anderen Patienten sah ich die Schröpfkopfmassage, hörte von Bädern mit Aromaölen oder Gleichstromanwendung, sogar mit Blutegeln wird hier therapiert.

Mein erstes Highlight - Hyperthermie

Bei dieser Behandlung liegt man entkleidet auf einer Art Hängematte, zugedeckt mit einem leichten Tuch und einer silber/goldenen Rettungsdecke. Von unten wird man nun 40 Minuten lang mit Infrarot bestrahlt und so in ein künstliches Fieber gesetzt. Fieber dient im Körper zur Infektabwehr und gegen Entzündungen. Keine schlechte Idee also, wenn es sein kann, dass stille Entzündungen im Körper für Schmerzen sorgen. Ziel ist es, eine Körpertemperatur von ca. 38.5°C zu erreichen. Das hat bei mir beim ersten Mal länger gedauert und ich schaffte es auf 38,4°C. Ich habe auch sonst bei fieberhaften Infekten keine besonders hohe Temperatur und bin im gesunden Zustand auch eher untertemperiert. Kein Wunder, dass ich dauernd friere und dadurch die Muskeln auch sehr verspannt sind. In der Hyperthermie ging es mir fast wie in der Sauna. Ich konnte mich richtig schön entspannen. Alle paar Minuten kam ein Therapeut um nach mir und den Anzeigen auf dem Computer zu sehen. Ich machte mir in der Zwischenzeit einen Spaß daraus, meinen Puls, der durch die Hitze anstieg, mit der Atmung wieder runter zu regulieren. Und dann spürte ich, wie die Wärme so richtig tief ins Gewebe drang. Es fühlte sich an, als ob die verklebten Faszien sich nach und nach lösten. Es plöppte regelrecht unter der Oberfläche. Der Muskelkater vom Yoga löste sich direkt in Luft auf.

Bei meiner zweiten Hyperthermie kam ich schneller auf Touren und erreichte die erwünschten 38.5°C dann auch. Der Effekt auf die Faszien war diesmal aber nicht mehr so hoch. Es hatte sich halt schon vieles gelöst.

Nach der Therapie sollte man mindestens eine Stunde Ruhen und nachschwitzen. Die meisten Patienten schlafen dann auch erstmal ein paar Stunden. Immerhin hat man Fieber und ist geschwächt. Ich wäre gerne raus in den Park gegangen, habe mich aber natürlich an die Anordnung gehalten und blieb brav im Bett.

Zu den Therapien gab es außerdem pflanzliche und homöopathische Medikamente. In meinem Fall etwas zur Schlafregulierung wegen meines Erschöpfungssyndroms mit Baldrian und Hopfen und auch ein Mittel zur Harmonisierung der Schmerzsymptomatik, Bryophyllum. Da die ersten Laborergebnisse einen Vitamin D Mangel aufzeigten, bekam ich auch das verordnet. Für den Darm gab es Flohsamenschalen und Leinsamenschleim. Klingt ekliger als es ist.

Für alle Patienten gibt es mediterrane Vollkost, es sei denn man fastet. Auch mit dieser Art der Entgiftung erzielen sie hier sehr viele Erfolge. Bei mir wurde wegen des Reizdarms CED-Kost angeordnet. CED bedeutet chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Ob die Ärzte da schon eine Ahnung hatten oder die Schonkost einfach auch so passend für mich fanden, kann ich gar nicht sagen. Ich hatte im Grunde auch die mediterrane Vollkost, nur ohne reizende und blähende Zutaten. Ich lernte hier wieder Appetit zu bekommen und schaffte nach ein paar Tagen auch meine Portionen. Trotzdem nahm ich erstmal weiter ab. Die Ärzte machten sich dabei aber weniger Sorgen als ich, denn ich war nicht schlapp und kraftlos dabei, im Gegenteil. Ich kam gut zu Kräften und auch meine Kondition baute sich wieder auf. 

In der nächsten Woche berichte ich dir gerne von meinen weiteren Therapien und Erfahrungen im KEM. Ich freue mich, wenn du meine Beiträge auch weiter verfolgst.

Für mehr Infos:

FAQ´s, und Kontaktdaten der Klinik: https://kem-med.com/kompetenz-in-kliniken/fachkliniken/klinik-fuer-naturheilkunde-integrative-medizin/kontakt-informationen/


Bis zum nächsten Mal

Alles Liebe,

Deine Gloria


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